
Wohlstandscafé – Folge vom 16.9.2026: Thema Finanzen
Teilnehmer: Bernd Nielsen (Moderator), Michael Bartel (Finanzexperte, „Held des Geldes“, gelernter Bankkaufmann, seit über 30 Jahren selbstständig als Berater und Coach im Finanzbereich) sowie Nathalie Stürchler als Zuhörerin.
Einleitung und Struktur der Finanzen
Bernd erklärt, dass Wohlstand im Wohlstandsstudio aus fünf Bereichen besteht, von denen einer die Finanzen sind. Er unterteilt Finanzen in vier Kategorien:
- Einnahmen
- Ausgaben
- Vermögen
- Finanzsystem (gesetzliche Rahmenbedingungen)
Michael bestätigt diese Einteilung und ergänzt: Bleibt nach Abzug der Ausgaben von den Einnahmen ein positiver Überschuss, kann daraus Vermögen aufgebaut werden – als Rücklage oder sogar als Einkommensquelle.
Einnahmen: Zeit gegen Geld
Michael erläutert das Prinzip „Zeit gegen Geld tauschen“:
- Als Kind darf man noch nicht arbeiten, kann aber z. B. durch Erbschaften (Geld, Grundstücke) Einnahmen erzielen.
- Im Berufsleben tauscht man klassischerweise im 9-to-5-Job Arbeitszeit gegen Gehalt.
- Im Ruhestand lebt man von der erarbeiteten Rente.
Für Angestellte nennt Michael mehrere Wege, das Einkommen zu steigern:
- Weiterbildung und Qualifikation (z. B. Gesellen- und Meisterprüfung im Handwerk)
- Nebentätigkeiten, wobei zu unterscheiden ist zwischen einem zusätzlichen Angestelltenverhältnis (oft vertraglich eingeschränkt) und einer nebenberuflichen Selbstständigkeit (meist einfacher umzusetzen, kostet aber zusätzliche Zeit)
- Innerbetriebliche Weiterbildungsprogramme, Bildungsurlaub (steuerlich absetzbar) sowie kostengünstiges Selbststudium über Internet und Universitäten
- Überstunden, sofern der Betrieb dies ermöglicht
Bernd betont dabei einen wichtigen Punkt: Anders als Selbstständige haben Angestellte bereits Lohnsteuer und Sozialabgaben automatisch abgezogen und können daher über ihr Nettoeinkommen frei verfügen – zudem erwerben sie automatisch Rentenansprüche.
Selbstständiger vs. Unternehmer
Michael unterscheidet klar zwischen beiden Begriffen:
- Ein Selbstständiger/Einzelunternehmer tauscht im Grunde weiterhin Zeit gegen Geld, da er die meiste Arbeit selbst erledigt.
- Ein echter Unternehmer delegiert Aufgaben, stellt Mitarbeiter ein und entwickelt eine Unternehmensstrategie. Ziel ist, dass die Firma nicht mehr von seiner persönlichen Anwesenheit abhängt – das Geld arbeitet dann für ihn.
Bernd ergänzt aus juristischer Sicht (BGB): Wer selbstständig eine berufliche oder gewerbliche Tätigkeit ausübt, gilt rechtlich als Unternehmer und ist für seine Steuerpflichten selbst verantwortlich. Er weist darauf hin, dass der Jahresüberschuss eines Einzelunternehmers nicht vollständig zur freien Verfügung steht, da Steuern und weitere Posten abzuziehen sind (Thema für eine spätere Folge zum Ausgabenblock).
Bei Selbstständigen ist außerdem zwischen Umsatzerlösen (Gesamteinnahmen) und dem Gewinn (nach Abzug betrieblicher Ausgaben und Steuern) zu unterscheiden. Michael empfiehlt, sich monatlich ein fiktives Gehalt auszuzahlen, um frühzeitig zu erkennen, ob die eigene Preispolitik ausreichend Einnahmen generiert.
Wozu Einnahmen erzielen?
Ein zentraler Gedanke: Einnahmen dienen nicht nur der Deckung laufender Ausgaben, sondern auch übergeordneten Zielen wie:
- Vermögensaufbau
- Alters- bzw. Rentenabsicherung
- Ansparen für eine spätere Selbstständigkeit oder Unternehmensgründung
- Aufbau eines Liquiditätspolsters
Die klügste Form, Einnahmen zu erzielen, sei laut Michael, Geld für sich arbeiten zu lassen – etwa durch kluge Investitionen, die regelmäßige Erträge liefern.
Investitionen und Finanzplanung
Michael nennt drei entscheidende Fragen bei Investitionsentscheidungen:
- Zeithorizont – kurz-, mittel- oder langfristig?
- Liquiditätsbedarf – wie schnell muss ich wieder auf das Geld zugreifen können?
- Ertragserwartung und Schwankungsrisiko des gewählten Produkts
Beispiele:
- Immobilien sind wertsteigernd, aber wenig liquide (oft 20–30 Jahre Anlagehorizont, Verkauf dauert Wochen bis Monate).
- Aktien oder Geldwerte sind kurzfristig liquidierbar, unterliegen aber Kursschwankungen.
- Gold bringt keine laufende Verzinsung, sondern nur die Hoffnung auf spätere Wertsteigerung.
- Eine selbstgenutzte Immobilie ist laut Michael zunächst kein Vermögenswert, sondern ein Gebrauchsgegenstand – erst beim Verkauf wird sie zu Geld.
Umgang mit Angst vor Risiko
Michael vergleicht die Angst vor Aktien mit einem Bauern, der lieber weiter Kartoffeln statt der gewünschten, aber unbekannten Maissorte anbaut: Wer aus Angst nie investiert, wird auch nie die entsprechenden Erträge erzielen. Besonders bei Kryptowährungen beobachtet er, dass Anleger aus Angst Gewinne nicht realisieren und bei Kursverlusten schlecht schlafen.
Michael betont die gesetzliche Beraterpflicht: Kunden dürfen nur in Anlageformen investieren, die ihnen verständlich erklärt wurden – entsprechend haftet der Berater dafür, dass Kunden ausreichend informiert sind. In seiner Firma führt er dazu eine strukturierte Finanzanalyse durch: Ist-Zustand, Ziele, verfügbares Kapital, monatliche Investitionsmöglichkeit und persönliches Risikoprofil werden gemeinsam ermittelt.
Zusatzeinkommen im Rentenalter
Zum Abschluss spricht Bernd das Thema Zuverdienst im Ruhestand an, u. a. Affiliate-Einnahmen (Provisionen für Produktempfehlungen). Michael erklärt: Um damit nennenswerte Beträge zu verdienen, braucht man ein ausreichend großes Netzwerk bzw. eine Reichweite (z. B. als Influencer), deren Aufbau selbst wieder Zeit oder Geld (etwa für Werbeschaltungen) kostet. Aus Zeitgründen konnte die Frage, welche weiteren Zuverdienstmöglichkeiten Rentner haben, nicht mehr vollständig behandelt werden – das Thema soll in einer künftigen Folge fortgesetzt werden.
