Leise, aber nicht schwach
Zusammenfassung · Wohlstandscafé vom 30. September 2026 · Bernd Nielsen im Gespräch mit Natalie Stürchler
Kernaussage
Leise Menschen sind nicht schwach. Sie halten sich oft zurück, weil sie sich nicht blamieren wollen und nur sprechen, wenn sie sich ihrer Sache sicher sind. Gerade darin liegt ihre Stärke – sie brauchen aber Wege und Räume, um zu Wort zu kommen.
Die Gesprächspartner
- Bernd Nielsen veranstaltet das Wohlstandscafé, ein wöchentliches Gesprächsformat (derzeit mittwochs) zu fünf Lebensbereichen: Gesundheit und Fitness, Soziales und Familie, Finanzen, mentale Einstellung sowie Sinn im Leben.
- Natalie Stürchler verbindet Energetik, Mentaltraining aus dem Leistungssport und Körperbewusstsein. Sie begleitet Menschen, die feststecken, keine Kraft mehr haben oder den Sinn im Leben verloren haben.
Wo Vielredner dominieren
Das Muster zeigt sich in Schule und Ausbildung, im Beruf – etwa in Besprechungen – und im Alltag, im Zweiergespräch ebenso wie in größeren Runden. Bernd unterscheidet verschiedene Typen: den Meinungsstarken, der seine Haltung immer einbringt, den Schlagwort-Lieferanten und den, der zu jedem Thema etwas sagt – oft Falsches.
Wer beruflich daran gewöhnt ist, Gespräche zu lenken, etwa als Führungskraft oder Unternehmer, verhält sich häufig auch privat so.
Leise und laut sind keine festen Rollen
Bernd schildert ein Kennenlerngespräch, in dem ihn eine Gesprächspartnerin mit gezielten Fragen fast zwei Stunden reden ließ. Am Ende lehnte sie eine Zusammenarbeit ab, weil sie selbst nicht zu Wort gekommen sei. Seine Lehre: Auch der Leise sollte sich fragen, ob er nicht gerade in die Falle tappt, die er anderen vorwirft.
Natalie ergänzt: Viele leise Menschen, die beruflich viel Verantwortung tragen, haben ein großes Bedürfnis, sich auszusprechen. Sie brauchen dafür eine Plattform und jemanden, der zuhört.
Warum Menschen leise sind
- Prägung durch die Schule: Man spricht erst, wenn man dran ist, und die Antwort muss richtig sein.
- Angst und Scham, etwas Falsches zu sagen oder sich lächerlich zu machen.
- Unsicherheit bei Meinungsfragen: Wissen lässt sich belegen, eine Meinung nicht. Bernd meldete sich früher vor allem dann, wenn er etwas sicher wusste.
- Ein Umfeld, das nicht passt: Wer sich nicht gehört oder verurteilt fühlt, zieht sich immer mehr zurück.
Die Stärke der Leisen
Leise heißt nicht dumm. Leise Menschen sind oft tiefgründiger und analysieren länger. Sie können sich vorbereiten, mit Fakten argumentieren und dann gezielt eingreifen. Bernd erzählt, wie er nach einer Niederlage in einer Besprechung am nächsten Tag gut vorbereitet zurückkam und seine Sicht mit einem Urteil des Bundesfinanzhofs belegen konnte – ohne dass sein Chef das Gesicht verlor.
Drei Möglichkeiten, wenn ein Gespräch nicht passt
- Aktiv gehen: sich verabschieden – manchmal sinnvoll, aber oft nicht das eigentliche Ziel.
- Passiv bleiben: nur noch zuhören oder innerlich abschalten, aber anwesend sein.
- Sich einbringen: das Wort ergreifen, um Redezeit bitten oder den Gesprächsleiter bitten, die Redezeit zu begrenzen.
Praktische Tipps
- Große Runden verkleinern: den Tischnachbarn gezielt ansprechen und ein Thema herausgreifen. Gruppenarbeit in der Schule zeigte: Ohne die Vielredner trugen die Stilleren viel Substanzielles bei.
- Hilfreiche Sätze nutzen: „Ich habe folgenden Vorschlag.“ – „Lass mich bitte ausreden.“ – „Darf ich kurz unterbrechen?“ – „Darf ich zusammenfassen?“ – „Wenn ich dich richtig verstanden habe …“
- Bei Behauptungen nachhaken: die Fakten prüfen oder vertagen: „Das kann ich jetzt nicht beurteilen – lass uns später noch einmal darüber sprechen.“
- Sich vorbereiten: vor Besprechungen und Treffen Fakten parat haben.
- Selbstvertrauen üben: zuerst in privaten Räumen, in denen man gesehen wird, dann im Beruf mit kleinen Schritten.
- Das passende Umfeld suchen: Menschen, Themen oder Hobbys finden, bei denen einem das Herz aufgeht und man so sein kann, wie man ist.
- Sich bewusst zeigen: auch einmal von eigenen Erfolgen oder Erlebnissen erzählen.
Ausblick
Am 7. Oktober 2026 stellt Bernd Nielsen Werkzeuge aus dem Buch „Sag nein ohne Skrupel“ von Manuel J. Smith vor – Techniken, um Nein zu sagen und eigene Anliegen selbstbewusst vorzubringen. Natalies Schlusswort: „Nein.“ Punkt. Das ist ein ganzer Satz.