3. Wohlstandscafé vom 23. September 2026– Was wir von Spitzensportlern lernen können

Wohlstandscafé – Was wir von Spitzensportlern lernen können

23.09.2026, 2026 · @Bernd Nielsen

Begrüßung

Bernd Nielsen: Guten Tag, liebe Leute! Hier ist wieder Bernd Nielsen mit dem Wohlstandscafé. Heute geht es in unserer dritten Folge um die Frage: Was können wir von Leistungs- und Spitzensportlern lernen? Dazu darf ich meine Gesprächspartnerin vorstellen: Nathalie Störchler. Sie kann am besten selbst erzählen, welchen Bezug sie zum Spitzensport hat und was wir daraus für Leben, Alltag und Beruf mitnehmen können. Hallo Nathalie!

Nathalie Störchler: Hallo Bernd, vielen Dank für die Einladung. Ich bin Nathalie und war 25 bis 30 Jahre lang Berufsreiterin. Wenn man das wirklich beruflich macht, merkt, fühlt und sieht man, wie wichtig körperliche Fitness ist. Das heißt nicht, dass man immer an der Spitze eines Sports mitmischen muss. Aber man entwickelt ein anderes Bewusstsein für Ganzheitlichkeit und dafür, wie wichtig ein wirklich gesunder Körper ist, in dem man sich auch wohlfühlt.

Ich rede dabei nicht vom Longevity-Wahn. Es geht mir darum: Fühle ich mich gut? Kann ich trainieren? Kann ich Leistung bringen – egal, ob ich gewinne oder nicht? Man trägt dieses Wissen in sich, dass es ohne den Körper nicht geht. Und ohne einen klaren Kopf auch nicht. Beides gehört einfach dazu.

Bernd Nielsen: Du hast schon einige Stichworte genannt. Ich möchte kurz zurückblicken, was der Sport in den letzten Jahrzehnten dazugelernt hat. Früher ging es für einen Sportler darum, in seiner eigenen Disziplin gut zu sein. Ein Tennisspieler hat gelernt, den Ball zu schlagen und richtig zum Ball zu stehen – er hat sich nur mit Tennis beschäftigt. Später kam die Überlegung hinzu: Ich brauche auch Ausdauer und Schnelligkeit, und dafür trainiere ich gezielt. Ich bin ja nicht mehr der Jüngste und erinnere mich an die Zeit von Steffi Graf, die das zur Perfektion gebracht hat. Sie war eine der Tennisspielerinnen, die auch sehr athletisch waren, und mit ihr hat sich das nach und nach durchgesetzt.

Vom Spezialisten zum Athleten

Du warst aber nicht nur im Reitsport, sondern auch im Motorsport tätig. Ich denke, auch dort haben die Leute eine Menge gelernt. Magst du dazu etwas sagen?

Nathalie Störchler: Im Motorsport bin ich teilweise immer noch projektbezogen aktiv, weil ich diesen Sport einfach mag. Das Motorsporttraining gehört zu den härtesten Trainings überhaupt. Da kommt die Geschwindigkeit dazu – das ist hochgefährlich, wenn ich nur eine Sekunde nicht aufpasse. Die Präsenz ist dort noch viel stärker gefordert: Keine Sekunde darf ich nachlassen. Das finde ich sehr faszinierend.

Hinzu kommt das ganze Team. Beim Boxenstopp muss jeder Handgriff der Crew sitzen – und auch das wird trainiert.

Was wir für den Beruf lernen können

Bernd Nielsen: Damit sind wir bei der Frage, was wir für unseren normalen Beruf, unsere Tätigkeit und auch für das Unternehmerdasein lernen können. Ich erinnere mich an einen Rennfahrer wie Michael Schumacher. Der hat nicht nur gesagt: Ich muss bestimmte Dinge üben, damit ich die Belastung im Motorsport bewältige. Er hat gesagt: Ich will fit sein – absolut fit, in allen Bereichen. Und das hat er vorgelebt. Was lernen wir daraus für unseren Beruf, wenn wir uns nicht nur mit der reinen Tätigkeit beschäftigen – beim Autofahren also nicht nur damit, links und rechts zu lenken und mit möglichst viel Gas in die Kurve zu gehen, um keine Geschwindigkeit zu verlieren?

Nathalie Störchler: Wir können daraus lernen, dass es sinnvoll ist, sich Gedanken zu machen. Das fängt ganz klar bei der Ernährung an: Was gebe ich meinem Körper? Was trinke ich? Wie ist mein Rhythmus? Das finde ich ganz wichtig, und ich merke es immer mehr. Wir geraten in vorgegebene Strukturen – „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Aber dieser Biorhythmus ist nicht jedem angeboren. Es gibt Menschen, die einen anderen Rhythmus haben, die gern nachts arbeiten oder am Nachmittag trainieren. Die Frage ist also: Wie ist mein Biorhythmus, und wie funktioniere ich am besten, um meine Leistung hochzuhalten?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist Bewegung im Business. Das heißt nicht, dass man Leistungssport oder intensiv Sport treiben muss – es geht um Bewegung an sich.

Und das Umfeld. Ein Sportler, der weiterkommt, hat ein Umfeld, das ihn in allen Bereichen stärkt. Das ihn motiviert, wenn er mal fällt, und ihm zuhört, wenn er irgendwo hängt oder ein Problem hat. Ein gutes Umfeld ist ganz, ganz wichtig.

Alltag oder Wettkampf?

Bernd Nielsen: Bleiben wir bei Fitness und Gesundheit. Ich habe mich gefragt: Was ist für einen Sportler Alltag, und wann muss er Spitzenleistung bringen? Nur im Wettkampf, also etwa einmal pro Woche am Wochenende? Oder ist schon das Training ein Bereich, in dem Spitzenleistung gefragt ist?

Übertragen auf Unternehmer und Führungskräfte: Ist der normale Arbeitstag jeden Tag aufs Neue eine Gelegenheit für Spitzenleistungen? Oder reicht im Alltag eine durchschnittliche Leistung, und Höchstleistung ist nur gefragt, wenn man besonders gefordert wird – etwa der Rechtsanwalt vor Gericht oder der Unternehmer in einer schwierigen Verhandlung mit einem unmöglichen Kunden, Lieferanten, der Bank oder sogar im Streit mit dem Finanzamt? Oder ist es auch im Alltag wichtig, fit zu sein – also am Vorabend nicht zu viel zu trinken, sich nicht gehen zu lassen, nicht zu spät ins Bett zu gehen, sondern eine gewisse Gleichmäßigkeit hineinzubringen? Wie siehst du das?

Nathalie Störchler: Sehr wichtig ist, dass man sich die Ruhe gönnt, die man braucht. Wir haben ja schon darüber gesprochen, dass wir das Wort „Work-Life-Balance“ nicht mögen. Aber ich meine damit den Rhythmus, den ich vorhin angesprochen habe. Wenn ich ständig auf Höchstleistung fahre, brenne ich aus. Die Frage ist: Wie baue ich einen Spaziergang, ein Workout oder was auch immer regelmäßig in meinen Alltag ein – und nicht nur sonntags eine Stunde Spaziergang mit der Familie?

Das ist auch für den Kopf wichtig. Gerade in Führungspositionen oder als Unternehmer leistet man in der Regel Kopfarbeit. Wir müssen viele neue Eindrücke verarbeiten, ein Team führen, Deadlines einhalten – und das alles passiert im Kopf. Deshalb findet auch die Überforderung meist dort statt. Darum ist es wichtig, dass wir lernen, den Körper wieder zu spüren und zu achten. Er ist nun mal das Fahrzeug, das uns durchs Leben trägt.

Bernd Nielsen: Du sagst also, man sollte sein Umfeld einbeziehen und einen festen Rhythmus für Bewegung finden. Das möchte ich aufgreifen: Ich halte es auch für wichtig, eine gewisse Gleichmäßigkeit in den Tagesablauf zu bringen. Ich hatte früher Kollegen, die sich damit gebrüstet haben, nachts durchgearbeitet und nur zwei Stunden geschlafen zu haben – weil sie bis sechs Uhr morgens etwas fertigstellen mussten, um es um acht oder neun Uhr zu präsentieren. Fast hätte ich das bewundernswert gefunden, aber letztlich ist es Unsinn. Wenn ich keine Gleichmäßigkeit in meine Arbeit bringe – also sage: Spätestens um diese Uhrzeit ist Schluss, ich muss abschalten, mich gesund ernähren, rechtzeitig ins Bett gehen und ausreichend schlafen –, dann halte ich das auf Dauer nicht durch.

Das Umfeld

Bernd Nielsen: Das ist der eine Punkt. Den anderen hast du auch angesprochen, und ich halte ihn für sehr wichtig: das Umfeld. Ich habe das bei Unternehmern und Managern gesehen, aber gerade auch im Sport. Da gab es junge Sportler, etwa 18- oder 19-jährige Fußballer, die plötzlich durch eine Spitzenleistung aus der Anonymität gerissen wurden und ein gutes Gehalt bekamen. Ihre Freunde – oder sogenannten Freunde – scharten sich um sie und verleiteten sie direkt oder indirekt zu einem ungesunden Lebenswandel: „Komm, ein Bier geht noch.“

Ein Kollege hat mir einmal erzählt – das ist schon ewig her –, dass er einen Spieler des FC St. Pauli kannte, der regelmäßig vor wichtigen Spielen betrunken war. Mein Kollege musste ihn nach Hause fahren, damit er wenigstens einigermaßen rechtzeitig im Bett lag. Das ist nicht die richtige Atmosphäre für einen Sportler. Er sollte sich mit Menschen umgeben, die ihn in seinem Beruf weiterbringen. Nicht, dass er ständig an seinen Beruf denken muss – aber er sollte niemanden um sich haben, der ihn von seinem Ziel abbringt, in seinem Sport erfolgreich zu sein. Das ist, glaube ich, ganz entscheidend. Wie siehst du das?

Nathalie Störchler: Das sehe ich absolut so. Das Umfeld kann ganz sichtbar negative Auswirkungen haben, etwa wenn nächtelang Party gemacht wird. Das kann man mal machen, das wissen wir alle, aber langfristig ist es weder gesund noch förderlich.

Es gibt aber auch andere Fälle: Unternehmer, die gerade starten und eine Familie haben, die Angst hat. Wie komme ich dazu, das zu tun, was ich will und wofür ich brenne, wenn mein Freundeskreis die Sicherheit eines festen Jobs braucht oder meine Familie Angst bekommt, weil die Selbstständigkeit so unsicher ist? Auch das meine ich mit Umfeld. Wir brauchen – ob wir am Anfang stehen, mittendrin sind oder schon Erfolg haben – ein Umfeld, das uns beim nächsten Schritt stärkt. Das finde ich so wichtig. Ich sehe oft Männer und Frauen, die etwas starten wollen, eine Idee haben, und die größten Probleme macht ihnen das Umfeld: Es will ihnen das ausreden oder schlechtreden. Das ist total verrückt, aber genau das ist der Punkt.

Bernd Nielsen: Du hast vorhin das Team im Motorsport angesprochen. Wenn ich in einer Mannschaft spiele – Fußball, Handball oder welche Sportart auch immer –, habe ich beim Training zunächst ein geschlossenes Umfeld. Dort komme ich mit meinen Mannschaftskameraden zusammen, und wir haben ein gemeinsames Ziel.

Es gibt ja den bekannten Spruch: Wenn du erfolgreich sein willst, umgib dich mit erfolgreichen Menschen. Im Umkehrschluss: Wer sich nur mit nicht erfolgreichen Menschen umgibt oder mit Leuten, die gar nicht vorankommen wollen, hat es schwerer. Ich will nichts gegen Beamte sagen, aber wenn ich als Beamter in einem festen Arbeitsablauf stecke, weiß ich, dass ich nicht mehr viel aufsteigen kann, weil ich nicht in der entsprechenden Laufbahn bin. Ich weiß auch, dass ich nicht entlassen werden kann – es sei denn, ich klaue die silbernen Löffel. Dieses Umfeld spornt mich nicht an. Ich sage nicht, dass man sich deshalb von diesen Menschen fernhalten muss. Aber es ist wichtig zu erkennen, wer mich im Beruf und auf dem Weg zu einem erfüllten Leben weiterbringen kann.

Sich Hilfe holen

Bernd Nielsen: Gehen wir noch einmal zu den Spitzensportlern. Schaut man sich an, wo sie sich überall Hilfe holen: mentale und psychologische Unterstützung, Ernährungsberater. Ich habe sogar von einem bekannten Fußballer gelesen, der einen Schlafcoach engagiert hatte. Dieser riet ihm davon ab, acht Stunden am Stück zu schlafen, und empfahl, den Schlaf auf mehrere Etappen zu verteilen. Das haben auch Fachleute bestätigt, die sich mit der Geschichte des Schlafs befasst haben: Früher gingen die Menschen bei Dunkelheit ins Bett und waren dann nachts zwischendurch wieder wach.

Solche Sportler haben erkannt: Ich kann nicht in jedem Bereich gut sein – weder bei der Trainingsberatung noch beim Bewegungsablauf oder der Trainingssteuerung. Wie sieht das beim Unternehmer aus? Er ist häufig deshalb Unternehmer geworden, weil er eine Sache besonders gut konnte. Der Berater, Rechtsanwalt oder Steuerberater sagt: Ich kann besonders gut beraten, also mache ich mich selbstständig. Der Handwerker hat ein Faible dafür, Wohnungen gut zu streichen und einzurichten. Wie kann sich der Unternehmer aufstellen, sodass er sagt: Ich hole mir Berater dazu, ich muss nicht überall Profi sein?

Nathalie Störchler: Ich sehe bei vielen – egal, ob sie beruflich stark gefordert sind oder ein eigenes Unternehmen führen –, dass sie sich selbst vergessen. Ich hatte immer Mentoren in verschiedenen Bereichen. Mit Gesundheit und Sport habe ich mich selbst sehr intensiv beschäftigt. Trotzdem hatte ich Trainer, die mich im Sport aufs nächste Level gebracht haben, weil wir das einfach brauchen.

Viele vergessen im Arbeitsalltag, dass wir als erfolgreiche Unternehmer oder Führungskräfte auch noch eine andere Seite haben. Der Mensch umfasst den Körper, die Psyche, das Mentale. Kann ich abends noch abschalten? Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Viele warten zu lange, bis sie sich Hilfe holen, und stecken dann schon im Burnout. Sie sind Kämpfer und Macher – das ist toll –, aber sie verfangen sich im ständigen Tun. Wie du gesagt hast: zu wenig Schlaf. Das kann eine Zeit lang funktionieren, eine Deadline durchziehen – okay. Aber danach muss man wieder zur Ruhe kommen, und das fällt vielen schwer. Unser Nervenkostüm macht das nicht dauerhaft mit, und dann kommen die Krankheiten.

Bernd Nielsen: Da hast du recht, das kann ich bestätigen. Ich möchte ergänzen: Auch im normalen Unternehmeralltag ist es sinnvoll, sich bewusst zu machen, dass der Unternehmer oder die Führungskraft nicht in jedem Bereich der Beste sein muss – eigentlich in keinem. Er muss sich mit Leuten umgeben, die in ihrem Bereich die Besten sind. Ich zitiere gern Jürgen Klopp, damals Trainer beim FC Liverpool. Sinngemäß sagte er: Es gibt Bereiche, in denen ich längst nicht der Beste bin, deshalb ziehe ich dort andere hinzu – Ernährungsberaterinnen, Psychologen und so weiter. Früher hat ein Trainer gesagt: Ich bin selbst Psychologe, ich brauche niemanden, der meine Spieler berät. Heute braucht man mehr.

Auch der Unternehmer sollte zunächst einen Ansprechpartner haben, mit dem er über seine Vorhaben sprechen kann – jemanden auf Augenhöhe. Wenn er das mit seinen Mitarbeitern nicht kann, weil er es ihnen nicht zutraut oder weil sie es nicht gewohnt sind, beratend oder unterstützend tätig zu sein, sollte er sich andere Menschen suchen. Das kann auch in der Familie sein: Der Unternehmer spricht mit seiner Ehefrau, die Unternehmerin mit ihrem Ehemann oder ihrer Partnerin. Hauptsache, man hat jemanden, dem man alles erzählen kann – gewissermaßen eine Wand, gegen die man sprechen kann. Der muss nicht sagen: „Du hast recht“ oder „Das war blöd von den anderen“. Es reicht oft, einfach zuzuhören.

Nathalie Störchler: Ganz wichtig, ja.

Bernd Nielsen: Ein Freund von mir war Chefarzt in einem Krankenhaus. Wenn er abends nach Hause kam, hat er seiner Frau alles erzählt, was tagsüber passiert war. Bei ihr konnte er alles loswerden, was er im Krankenhaus niemandem erklären konnte. Das hatte noch einen zweiten Effekt: Seine Frau war immer über alles informiert. Sie konnte also nicht nur zuhören, sondern auch wirklich mitreden. Das halte ich für wichtig, und genau das machen viele Unternehmer falsch.

Ich hatte einen Mandanten, der ständig erzählte, er sei rund um die Uhr beschäftigt, 24 Stunden würden ihm nicht reichen. Das hat er sogar noch als 80-Jähriger erzählt, der sich immer noch nicht von seinem Job gelöst hatte. Geglaubt hat es ihm niemand. Aber man braucht eben das passende Umfeld. Wenn es in der Familie, im Freundeskreis oder unter gleichgestellten Partnern niemanden gibt, sollte man sich professionelle Hilfe holen.

Damit tun sich, glaube ich, viele schwer. Ein Coach kostet Geld, und gerade der Gründer will sparen und sieht das nicht ein, obwohl es gerade für ihn wichtig wäre. Wo bekomme ich Hilfe? Brauche ich professionelle Unterstützung, oder reicht es, jemanden zu haben, der auf Augenhöhe mit mir redet? Das ist der Punkt, und das wird viel zu selten genutzt.

Nathalie Störchler: Das finde ich einen ganz wichtigen Punkt. Gerade in Phasen mit viel Arbeit ist man automatisch oft allein. Sobald ich aufsteige – ob als Führungskraft, Sportler oder Unternehmer –, trage ich die Verantwortung, und damit stehe ich teilweise allein da. Wenn ich das ab einem gewissen Punkt mit niemandem teilen kann, fängt es an, sich im Kopf zu drehen, und frisst mich auf. Viele geraten dann in eine Art Einsamkeit. Sie sind nicht einsam, aber sie fühlen sich mit ihren Themen allein. Da ist es oft gut, wenn jemand von außen auf die blinden Flecken schaut und sagt: Sieh es doch mal so, öffne den Horizont ein bisschen. Oder einfach nur zuhört. Das ist so wichtig.

Fokus, Arbeitszeit und Krankheit

Bernd Nielsen: Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich vor längerer Zeit gelesen habe. Ein Chef wollte seine Aufgaben so strukturieren, dass er sich nur noch um das Wesentliche kümmert, also um echte Unternehmeraufgaben. Er beauftragte seine Sekretärin: Immer wenn sie merkte, dass er sich wieder ins operative Geschäft einmischte oder Managementaufgaben übernahm, die er längst abgegeben hatte, sollte sie ihn darauf hinweisen: „Chef, achten Sie mal darauf.“ Dafür braucht es eine Sekretärin mit genug Rückgrat, den Chef zu bremsen – und einen Chef, der das annimmt und nicht sagt: „Lassen Sie mich, ich habe Wichtiges zu tun.“

Ich kann auch eine eigene Geschichte erzählen. Ein Mandant, mit dem ich die Unternehmensnachfolge regeln wollte, hat mich immer abgewimmelt: „Herr Nielsen, reden Sie nicht, ich muss mich um das operative Geschäft kümmern.“ Darin steckten gleich zwei Fehler, aber das nur am Rande. Es ist wichtig, jemanden zu haben, der den Unternehmer, Manager oder die Führungskraft wieder in die richtige Spur bringt – damit er sich nicht von Dingen ablenken lässt, die er gern macht oder früher immer gemacht hat, die aber nicht zu seinen eigentlichen Aufgaben gehören.

Nathalie Störchler: Das sehe ich auch. Ich habe viele Beispiele erlebt, bei denen das den Menschen richtig schwerfällt und sie fast daran zerbrechen, weil der Arbeitsaufwand so groß wird. Ab einem gewissen Punkt kann man einfach nicht mehr alles selbst bewältigen.

Bernd Nielsen: Vor allem geht es auch um Zeit. Wenn ein Unternehmer sagt, er müsse jeden Tag zwölf Stunden arbeiten, dann sagen genug Leute: Was du in zwölf Stunden nicht schaffst, schaffst du auch in sechzehn nicht. Oder: Du kannst es so organisieren, dass du es in acht Stunden schaffst. Und sie haben recht. Es kommt vor, dass man mal zwölf Stunden arbeiten muss, etwa weil Besprechungen so lange dauern. Auf Dauer ist das aber nicht nötig, und man kann versuchen, seinen Arbeitsablauf besser zu strukturieren.

Der nächste Punkt: Viele Unternehmer sind stolz darauf, dass sie sich auch mit Grippe noch ins Büro schleppen. Dabei merken sie nicht, dass sie gar keine richtige Arbeitsleistung bringen. Es wäre besser, ein, zwei Tage zu Hause zu bleiben und sich auszukurieren, statt ins Büro zu gehen, nichts zu leisten und die Erkältung noch in die Länge zu ziehen, die sonst viel schneller ausgeheilt wäre. Auch hier hilft es, entweder selbst ein Gespür dafür zu haben oder jemanden, der sagt: „Jetzt ist Schluss, jetzt machst du mal Pause.“

Ausblick und Schlusswort

Bernd Nielsen: Wir haben schon eine Menge besprochen. Ich denke, wir sollten die Reihe „Was wir von Sportlern lernen können“ in den nächsten Folgen fortsetzen. Einige Bereiche haben wir noch nicht angesprochen, und auch zum Umfeld lässt sich noch viel mehr sagen. An dieser Stelle machen wir aber ganz bewusst in Ruhe Schluss.

Ich halte es für wichtig, dass wir später weitere Punkte aufgreifen: professionelle Hilfe, Ziele, die man besprechen kann, die regelmäßige Frage nach dem Sinn – und vor allem die Frage nach dem Ende der Tätigkeit. Sportler haben ja, wenn man so will, ein begrenztes Berufsleben. Bei den meisten ist mit einem bestimmten Alter Schluss. Dann müssen sie sich etwas Neues suchen und finanziell so aufgestellt sein oder sich neu aufstellen, dass sie ihren Lebensunterhalt weiter bestreiten können. Es gibt also noch genug Themen, auch die Frage, wie das Umfeld die Finanzen beeinflussen kann.

Dann bedanke ich mich. Vielleicht möchtest du noch ein Schlusswort sagen? Unser nächster Termin ist am 30. September 2026.

Nathalie Störchler: Ich danke auch. Mein Schlusswort zu diesem Thema: Sei dir immer bewusst, dass du ein ganzheitlicher Mensch bist, und achte auf alle Bereiche – auch auf deinen Körper. Es lohnt sich.

Bernd Nielsen: Das war ein schönes Schlusswort. Danke, Nathalie. Tschüss und bis zum nächsten Mal – euer Bernd Nielsen und Nathalie Störchler.

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