Beratungshinweise und Tipps für Unternehmer und Führungskräfte – Auf Grundlage des Wohlstandscafés vom 23. September 2026 Bernd Nielsen und Natalie Stürchler

Leistungsfähig bleiben wie ein Profi

Beratungshinweise und Tipps für Unternehmer und Führungskräfte

Auf Grundlage des Wohlstandscafés vom 23. September 2026 · Bernd Nielsen im Gespräch mit Nathalie Störchler

Spitzensportler wissen: Talent und Technik allein reichen nicht. Wer dauerhaft Höchstleistung bringen will, achtet auf Körper, Kopf, Erholung und Umfeld – und holt sich gezielt Unterstützung. Diese Hinweise übertragen die Erkenntnisse aus dem Gespräch in konkrete Schritte für Ihren Unternehmeralltag.

1. Körper und Energie

Ihr Körper ist das Fahrzeug, das Sie durch Ihr Berufsleben trägt. Gerade bei überwiegender Kopfarbeit wird er leicht vernachlässigt – bis er sich meldet.

Tipps für die Praxis
  • Ernährung bewusst gestalten: Achten Sie darauf, was Sie essen und trinken, besonders an langen Arbeitstagen und vor wichtigen Terminen.
  • Biorhythmus nutzen: Nicht jeder ist ein Frühaufsteher. Legen Sie anspruchsvolle Aufgaben wie Verhandlungen oder Strategiearbeit in Ihre leistungsstärksten Stunden.
  • Bewegung fest einplanen: Es muss kein Leistungssport sein. Ein Spaziergang, ein kurzes Workout oder Wege zu Fuß – regelmäßig und im Kalender verankert.
  • Bewegung als Denkpause: Nutzen Sie Bewegung gezielt, um den Kopf freizubekommen, etwa ein Telefonat im Gehen oder einen Spaziergang vor einer wichtigen Entscheidung.
Fragen zur Selbstreflexion Zu welcher Tageszeit bin ich am leistungsfähigsten? Wann habe ich mich in dieser Woche zuletzt bewusst bewegt?

2. Rhythmus, Erholung und Gesundheit

Wer ständig auf Höchstleistung fährt, brennt aus. Sportler trainieren in Zyklen aus Belastung und Regeneration – dieses Prinzip gilt auch im Beruf.

Tipps für die Praxis
  • Gleichmäßigkeit schaffen: Setzen Sie sich einen festen Feierabend und halten Sie ihn auch ein. Ausnahmen bleiben Ausnahmen.
  • Schlaf ernst nehmen: Nachtschichten vor Präsentationen sind kein Leistungsnachweis. Ausgeruht treffen Sie bessere Entscheidungen.
  • Abschalten lernen: Entwickeln Sie ein Abendritual, das den Arbeitstag bewusst beendet, etwa die To-do-Liste für morgen schreiben und dann den Laptop schließen.
  • Nach Spitzenphasen regenerieren: Nach einer Deadline oder einem Projektabschluss gezielt Ruhezeit einplanen, bevor das nächste Vorhaben startet.
  • Krank ist krank: Wer sich mit Grippe ins Büro schleppt, leistet wenig, verlängert die Krankheit und steckt andere an. Ein, zwei Tage Auskurieren sparen am Ende Zeit.
  • Warnsignale beachten: Dauerhafte Erschöpfung, Schlafprobleme oder Gereiztheit sind ernst zu nehmen. Warten Sie nicht, bis ein Burnout da ist, und sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arzt.
Fragen zur Selbstreflexion Kann ich abends wirklich abschalten? Wann hatte ich zuletzt einen Tag ganz ohne Arbeit?

3. Das richtige Umfeld

Erfolgreiche Sportler umgeben sich mit Menschen, die sie motivieren, wenn sie fallen, und zuhören, wenn sie feststecken. Ein ungünstiges Umfeld kann dagegen bremsen – durch schlechte Gewohnheiten oder durch Ängste, die auf Sie übertragen werden.

Tipps für die Praxis
  • Umfeld bewusst prüfen: Wer bestärkt Sie in Ihren Zielen? Wer redet Ihre Vorhaben eher klein?
  • Mit Zielstrebigen vernetzen: Suchen Sie den Austausch mit Menschen, die selbst vorankommen wollen, etwa in Unternehmernetzwerken, Verbänden oder Mastermind-Gruppen.
  • Familie einbeziehen: Ängste von Partner oder Familie, gerade bei Gründungen, lassen sich durch offene Information abbauen. Wer informiert ist, kann mittragen und mitreden.
  • Grenzen setzen: Sie müssen sich von niemandem abwenden. Aber Sie entscheiden, wessen Einfluss Sie bei wichtigen Entscheidungen zulassen.
Fragen zur Selbstreflexion Welche drei Menschen bringen mich beruflich weiter? Wer in meinem Umfeld kostet mich eher Energie?

4. Unterstützung holen – rechtzeitig

Spitzensportler arbeiten mit Trainern, Ernährungsberatern, Psychologen und sogar Schlafcoaches. Kein Spitzentrainer glaubt mehr, alles selbst zu können. Unternehmer dagegen holen sich oft zu spät oder gar keine Hilfe.

Tipps für die Praxis
  • Nicht überall der Beste sein müssen: Ihre Stärke liegt darin, die richtigen Experten um sich zu versammeln, nicht darin, alles selbst zu können.
  • Sparringspartner auf Augenhöhe suchen: Ein Mentor, Unternehmerkollege, Berater oder Coach, mit dem Sie offen über Pläne und Sorgen sprechen können.
  • Zuhören ist schon Hilfe: Oft genügt jemand, dem Sie alles erzählen können. Das entlastet und schärft die eigenen Gedanken.
  • Den Blick von außen nutzen: Ein Außenstehender erkennt blinde Flecken und eröffnet neue Perspektiven.
  • Beratung als Investition sehen: Gerade Gründer sparen hier an der falschen Stelle. Gute Beratung kostet meist weniger als die Fehler, die sie verhindert.
Fragen zur Selbstreflexion Mit wem bespreche ich meine wichtigsten unternehmerischen Fragen? In welchem Bereich würde mir Expertenwissen am meisten bringen?

5. Fokus auf die Unternehmeraufgaben

Viele Unternehmer haben sich selbstständig gemacht, weil sie eine Sache besonders gut können. Genau das verleitet dazu, sich immer wieder ins operative Geschäft zu stürzen – auf Kosten der eigentlichen Führungsaufgaben.

Tipps für die Praxis
  • Aufgaben klar trennen: Was ist wirklich Unternehmeraufgabe (Strategie, Führung, Finanzen, Nachfolge) und was können andere erledigen?
  • Konsequent delegieren: Abgegebene Aufgaben bleiben abgegeben. Vertrauen Sie Ihrem Team.
  • Einen „Erinnerer“ bestimmen: Bitten Sie eine Vertrauensperson, etwa Ihre Assistenz, Sie darauf hinzuweisen, wenn Sie wieder ins Operative abrutschen – und nehmen Sie den Hinweis an.
  • Arbeitszeit begrenzen: Was Sie in zwölf Stunden nicht schaffen, schaffen Sie auch in sechzehn nicht. Mit besserer Struktur gelingt vieles in acht Stunden.
  • Termine bündeln: Feste Blöcke für Besprechungen und für konzentrierte Arbeit verhindern, dass der Tag zerfasert.
Fragen zur Selbstreflexion Wie viel Prozent meiner Zeit verbringe ich mit echten Unternehmeraufgaben? Welche Aufgabe könnte ich ab nächster Woche abgeben?

6. An morgen denken: Nachfolge und Neuausrichtung

Sportler wissen, dass ihre aktive Laufbahn endet, und müssen sich rechtzeitig neu aufstellen – auch finanziell. Unternehmer verdrängen diese Frage häufig mit dem Hinweis auf das Tagesgeschäft.

Tipps für die Praxis
  • Nachfolge frühzeitig planen: Eine geregelte Unternehmensnachfolge braucht Jahre Vorlauf. Das Tagesgeschäft ist kein Grund, sie aufzuschieben.
  • Ziele und Sinn regelmäßig prüfen: Nehmen Sie sich mindestens einmal im Jahr Zeit für die Frage: Wofür mache ich das, und wo will ich hin?
  • Finanziell vorsorgen: Klären Sie, wie Ihr Lebensunterhalt nach dem Ausstieg gesichert ist. Lassen Sie sich dazu fachkundig beraten.
Fragen zur Selbstreflexion Wann möchte ich mich aus dem operativen Geschäft zurückziehen? Wer könnte mein Unternehmen weiterführen?

Selbstcheck

Kreuzen Sie an, was auf Sie zutrifft. Jedes „Noch nicht“ ist ein guter Ansatzpunkt für ein Beratungsgespräch.

AussageTrifft zuTeilweiseNoch nicht
Ich kenne meinen Biorhythmus und lege anspruchsvolle Aufgaben in meine leistungsstarken Stunden.☐☐☐
Ich bewege mich mehrmals pro Woche bewusst – nicht nur am Wochenende.☐☐☐
Ich habe einen festen Feierabend und kann abends abschalten.☐☐☐
Ich schlafe in der Regel ausreichend und erholsam.☐☐☐
Wenn ich krank bin, bleibe ich zu Hause und kuriere mich aus.☐☐☐
Mein Umfeld bestärkt mich bei meinen Zielen und Vorhaben.☐☐☐
Ich habe mindestens einen Gesprächspartner auf Augenhöhe.☐☐☐
Ich hole mir Experten dazu, statt alles selbst zu machen.☐☐☐
Ich verbringe den Großteil meiner Zeit mit echten Unternehmeraufgaben.☐☐☐
Ich habe mich mit meiner Nachfolge bzw. der Zeit danach beschäftigt.☐☐☐

Ihre ersten Schritte in den nächsten 30 Tagen

  1. Feierabend festlegen: Bestimmen Sie eine feste Uhrzeit, ab der Sie nicht mehr arbeiten, und tragen Sie sie in den Kalender ein.
  2. Bewegung verankern: Planen Sie drei feste Bewegungstermine pro Woche ein.
  3. Sparringspartner ansprechen: Vereinbaren Sie ein Gespräch mit einer Person auf Augenhöhe.
  4. Eine Aufgabe delegieren: Wählen Sie eine operative Tätigkeit aus und übergeben Sie sie dauerhaft.
  5. Zukunft auf die Agenda setzen: Reservieren Sie einen halben Tag für Ziele, Nachfolge und finanzielle Vorsorge.

Sei dir immer bewusst, dass du ein ganzheitlicher Mensch bist, und achte auf alle Bereiche – auch auf deinen Körper. Es lohnt sich. – Nathalie Störchler

Hinweis: Diese Tipps dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle ärztliche, psychologische, rechtliche oder steuerliche Beratung.

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